Velo-Challenge 2011 in Hannover
Es geht los:
Endlich war es soweit – zumindest für mich stand der erste große (Radfahr)-Saisonhöhepunkt unmittelbar bevor. Am Samstagvormittag sollte es nach Hannover gehen, um dort an der Velo-Challenge teilzunehmen. Klar - am Vorabend war das Auto und die Taschen gepackt, das Fahrrad sicher verstaut, wer mich kennt, weiß – das muß so !
Also morgens um 09.45h noch kurz Jakob abgeholt (Kommentar beim Einsteigen und mehrfach während der Fahrt: „Mir geht es nicht gut, bin gar nicht gut drauf, hab wohl Grippe“ - nachher mehr dazu !!) dann zum Treffpunkt nach Marienhafe, dort warten bereits Gerd und Johannes.
Auf dem Weg nach Hannover noch kurz nen Kaffeestopp in Schwarmstedt und dann zwecks Streckenstudium erstmal Richtung „Deister“, um das Gelände zu erkunden.
Wir fahren hintereinander mit den Autos den Deister hinauf und schon meinem Diesel fällt das nicht unbedingt leicht.... Auch die lange und kurvenreiche Abfahrt wird genau studiert und soviel sei jetzt schon gesagt, diese „Voraufklärung“ hat ne Menge gebracht.
Nun fahren wir zum Maschsee, Auto parken und zur Anmeldung, da wartet auch schon Schmidti mit seinem Sohn Jannes, die gemeinsam das Wochenende in einem Hotel in Hannover verbringen.
Der Gang über die „Messe“, wenn man die ungefähr 15-20 Aussteller so bezeichnen will, ist schnell abgefertigt.
Nur Gerd, der wird diesen einen gewissen Stand länger in Erinnerung behalten – da werden doch tatsächlich seine kürzlich erworbenen Radschuhe als Restposten für 19,90 € „verschleudert“ - ich verkneife mir jetzt hier, den anderen Preis zu nennen..........
So, jetzt gehts am späten Nachmittag Richtung Unterkunft, kurz vorher noch in den „Marktkauf“ um die Ecke und Frühstück und ne Hefe-Kaltschale (natürlich nicht für Jakob – dem geht es ja soooo schlecht...) für den Abend einkaufen.
Nachdem die Zimmer bezogen und die Räder klar gemacht sind, gehen wir dann noch mal den Kohlenhydratspeicher auffüllen und besuchen das nahe gelegene und bereits bekannte Steakhouse „Das Ding“.
Essen war mal wieder super, mußten aber leider im „Raucherabteil“ sitzen. Aber egal, wir waren satt. Zurück im „Hotel“ dann noch ein paar Knabbereien und die Kaltschale weg gemacht und dann geht’s pünktlich in die Kiste.
D- Day:
Morgens um 07.00h ist gemeinsames entspanntes Frühstück angesagt, alle haben einen gesunden Appetit und es wird noch einmal die Strecke durchgesprochen.
Gegen 08.30h rollen wir dann durch die noch verkehrsarme Innenstadt Hannovers und treffen pünktlich um 09.00h im Start-/Zielbereich ein. Nach der ersten Orientierungslosigkeit (Lag aber diesmal wirklich an der Orga) konnten wir dann in unseren Startblock C einrollen. Wir trafen hier dann auch auf Schmidt und Ihno, der am Morgen zusammen mit seinem Schwiegersohn aus Oldenburg angereist war.
Und siehe da, plötzlich noch ein unerwartetes bekanntes blau-gelbes Trikot am Streckenrand - da läuft Uwe und begrüßt uns mit den Worten „ich steht vorn im Block B !“ Also man kann sagen, die Rennradgruppe Hage ist gut vertreten.
Ach ja, einen hätt ich fast vergessen - liegt wahrscheinlich daran, dass ich ihn nicht gleich gesehen habe - Günther K. aus Hage war ja auch dabei, im eleganten schwarzen Outfit....... (O-Ton: ….hab mein anderes Trikot im Koffer im Hotel – no comment)
So, jetzt aber zum Rennen:
Der Startschuß ist gefallen und ab geht die Post. Vergesst am Anfang den Pulsmesser und den Tacho – braucht kein Mensch ! Erstmal durch den Verkehr durchtanken und dran bleiben.
Aber wo ist eigentlich unser „Kranker“ ?
Ich seh ihn 30 sec. nach dem Start zum letzten Mal (von hinten) mit Gerd davonballern und danach ca. 3,5 Stunden später wieder im Ziel, soviel dazu...... (wir haben es doch alle gewußt !)
Die ersten Kilometer geht’s mal wieder darum, ne passende Gruppe zu finden und es geht auf den ersten 10km ordentlich ab, trotz frischer Brise von vorne steht meist am Anfang ne „4“ auf'm Tacho ! (Fast wie ne RTF, halt nur bisserl schneller....)
Erstes Aha- Erlebnis bei Km 18:
Ich fahre in nem 30er-Feld an einer Unfallstelle vorbei, der Kollege am Boden mit stark blutender Gesichtsverletzung sieht nicht gut aus.... Schnell nach rechts an den Rand, da kommt auch schon der Rettungswagen und der Notarzt ! Die nächsten 2Km fährt das Feld recht bedächtig und man spürt schon, dass das nicht an jedem so einfach vorbei geht.
Ungefähr ab Km 25 kommen dann die ersten deutlich spürbaren Hügel und das Feld zieht sich immer weiter auseinander, der Wind wird nicht weniger. Da die Wolken noch sehr tief hängen, fahren wir ein paar Kilometer in einem Nebel- / Nieselmix, die Straße ist im Gefälle ziemlich nass – aufpassen !!
Erste Verpflegungsstelle auf einer Anhöhe, ich erwisch grade noch nen Plastikbecher mit Wasser, dass reicht, Pause machen ist nicht.
Bislang läuft eigentlich alles gut, ich hab es bisher immer geschafft in einer passenden Gruppe zu bleiben und früh erkannt, wenn sich welche lösen. Konnte noch immer dranbleiben.
Und immer dran denken – regelmäßig trinken und alle 15 Minuten nen Bissen von dem klebrigen Energieriegel abbeißen (Gerd hat gesagt, die sind gut...)
So langsam steigt die Nervosität bei mir, denn lt. meinem „Roadbook“ nähern sich die beiden Höhepunkte dieser Veranstaltung – der kleine und der große Deister sind nicht mehr weit, man kann sie auch schon deutlich sehen.
Und als wir nun durch Nienstedt fahren und am Ende des Ortes links abbiegen, geht’s auch schon langsam aber sicher nach Oben.
Hier kommt jetzt die „Voraufklärung“ vom Samstag zum Tragen. Denn ich kenne ungefähr den Straßenverlauf und weiß, was mich erwartet.
Ruhig aber stetig schalte ich einen Gang nach dem anderen runter, um meine Trittfrequenz zu halten, den Pulsmesser im Blick.
Zwar werde ich mehrfach auf der linken Seite überholt, beruhigend ist aber, dass ich auf meiner rechten Seite auch ne Menge Kollegen „stehen“ lassen kann.
So, die ersten Schleifen und Höhen sind gemeistert, ca. 300m Flachstück und dann seh' ich ihn direkt vor mir. Die nächsten 3Km werden hart – aber ich komm da hoch !
Die Kurbel dreht sich weiter rund, die Beine sind noch lange nicht müde und den Puls hab ich im Griff. Da das Hinweisschild – Verpflegung 500m ! Nun ist es nur noch eine Links/Rechts- Kurve, Hochschalten auf die letzte Reserve und mit 39 / 28er werden die letzten Höhenmeter überwunden.
Jo, bin oben und eigentlich wollte ich ja stehen bleiben und die Flaschen auffüllen usw. Kurz (Ganz kurz) nachgedacht, eine Flasche noch fast halbvoll, Riegel satt – es geht weiter !
Nachdem es mir gelang noch so eben nen Becher Wasser während der Fahrt zu erwischen, folgt auch schon die Abfahrt.
Und die Abfahrt hat es in sich – lang, kurvenreich, teilweise in der Mitte Straßenschäden.
Da ich kaum Mitstreiter sehen kann und mit der Kenntnis, dass es im weiteren Verlauf der Strecke ca. 10 Km in den Wind rein geht, ist jetzt primäres Ziel ne Gruppe zu finden.
Also 53 / 11 aufgelegt und volle Pulle mit 65 km/h den Berg runter.
Aber Vorsicht – schlechte Straße, zum Schluß kommen zwei enge Kurven und am „Fuß“ liegt Schotter im Mittelbereich („Voraufklärung – weißt Bescheid !)
Das mit den beiden letzten Kurven hat ein Kollege wohl nicht gewußt, heftiger Abgang und lag da jetzt am Abhang..... Streckenposten und zwei andere stehen schon dabei, kann also weiter fahren.
Nun noch den anschließenden Bahnübergang „übersprungen“ und nach der „durchflogenen“ Ortschaft finden wir uns mit einer 10er Gruppe zusammen, um gemeinsam gegen den Wind zu kämpfen.
Kurz vor Hannover noch mal nen kurzen Regenschauer abbekommen und dann sind es laut Tacho nur noch 10 Km bis zum Ziel.
Die Gruppe wurde zwischenzeitlich mal durchgetauscht, da einige Kameraden die Länge der Strecke doch wohl unterschätzt hatten und einige konnten wir unterwegs einsammeln.
Wir nähern uns also der Landeshauptstadt, durchfahren wie am Anfang die Gartenkolonie (ist schon irre, was die Streckplaner sich so ausdenken...), um dann kurz darauf auf die ca. 3 km lange „Zielgerade“ am Maschsee einzubiegen.
Sind jetzt noch 10 Radler und da ich noch richtig gute Beine spüre, fahr ich nach vorne und zieh das Tempo an. Mal sehen, wie lange ich das halten kann – Tacho zeigt gute 40 und der Puls bei 170. Alle hängen sich dran, und kurz vor der letzten S-Kurve zieh ich von ganz rechts nach ganz links rüber (hab ich mal im Fernsehen gesehen...)
Und das hat schon mal gut geklappt, ist nur einer in 'nem grünen Dress drangeblieben. Ich ziehe nochmal auf 500m an, fahr raus und er übernimmt die Führung. Knapp 500m bleibt er vorn und signalisiert mir dann – Flasche leer !!
Okay - Ziel in Sicht, noch gute 300m – klack, klack – 53/11 – ab geht’s. Mein „grüner“ Sprintkollege ruft noch: „Gib alles du Tier !“
Mach ich - vorne ne „5“ und Puls bei 188, dass sagt wohl alles.
Ja ja, so'n Zielsprint, wo die Zuschauer jubeln und der am Mikrofon auch noch seinen Senf dazu gibt, ist schon cool.......
Im Ziel dann auf Jakob, Gerd und Günther getroffen und nun erstmal das System wieder langsam runter fahren.
Die Zeit vergeht und so langsam werden wir unruhig, da ja noch einige von uns fehlen. Zumal kurz nach meiner Zieldurchfahrt mehrere Rettungswagen auf die Strecke gefahren waren.
Doch zum Glück erscheinen dann Johannes und Ihno, etwas später erreicht auch Schmidti das Ziel. Für den ist das Rennen wohl nicht so gut gelaufen, andauernde Muskelkrämpfe im Rennen sieht man ihm auch jetzt noch deutlich an.
Nach Verzehr von einem Hefeweizen (wir haben es uns verdient !) rollen wir dann quer durch die Innenstadt wieder zurück zur Unterkunft.
Das war also mein Bericht zum Rennen in Hannover.
Ich hoffe ich habe vielleicht den ein oder anderen auf den Geschmack gebracht, sowas mal mit zu fahren.
Bis dahin, Kette rechts, gruß Klaus
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